Gespinstmotte an der Ilz
Gespenstische Szenen an der Ilz

Eingesponnene und kahlgefressene Traubenkirsche

Eingesponnene und kahlgefressene Traubenkirsche am Wanderweg bei Kalteneck

Am Ufer der Ilz bei Kalteneck bietet sich Wanderern ein bizarres, unheimliches Bild, welches gerade in der Dämmerung an Szenen aus einem Gruselfilm erinnert: Kahle, scheinbar tote Bäume und Sträucher, komplett eingehüllt in einen weißen Umhang aus Spinnwebe.

Mehrere Anfragen haben Förster Wolfgang Mantel vom Forstrevier Passau bereits erreicht; darunter die Sorge, der wegen seiner Hautallergie auslösenden Raupen gefürchtete Eichenprozessionsspinner könnte der Übeltäter sein, der vor allem in Unterfranken vorkommt.
Förster Mantel kann jedoch Entwarnung geben:
Bei näherem Hinschauen ist die Ursache leicht erkennbar: die Raupen der Gespinstmotte, einer Falterart, haben die Bäume eingewickelt und kahlgefressen. Sie sind zirka zwei Zentimeter lang und weiß mit schwarzen Punkten.

Die Gespinstmotte, eine Falterart

Gespinnste an der Traubenkirsche

Gespinnste an der Traubenkirsche, darunter halten sich die Raupen auf

Der Falter legt im Juli/August seine Eier an der Rinde in der Nähe von Knospen ab, aus denen ca. 1 mm kleine Raupen schlüpfen und überwintern. Im Mai des darauffolgenden Jahres entwickeln sich die Larven weiter und beginnen in den Knospen zu fressen.
Dann bilden sie erste kleine Gespinste, die sie laufend unter Einbeziehung neuer Äste vergrößern. Sie dienen den Raupen als Schutz vor Witterung und Fressfeinden. Große Sammelgespinste können mehr als 1.000 Raupen enthalten.
Die intensivste Fressphase beginnt ab Juni, die zu dem oben erwähnten Kahlfraß führt.
Ende Juni verpuppen sich die Larven, bis dann Ende Juli aus den Puppen die neuen Falter schlüpfen und der Kreislauf neu beginnt.

Nachdem die Raupen keine Brennhaare besitzen, sind sie für den Menschen ungefährlich. Auch die befallenen Bäume und Sträucher überstehen den Kahlfraß. Sie treiben i.d.R. im Laufe des Sommers wieder neu aus.
Die Motten sind in der Forstwirtschaft also harmlos, in Parkanlagen eher ein ästhetisches Problem. Im Obstbau kann es bei langanhaltendem Befall zu einem Rückgang oder Ausbleiben des Fruchtbehanges kommen.
Eine Massenvermehrung wird durch heiße und trockene Sommer begünstigt, sie dauert jedoch in der Regel nur ein bis mehrere Jahre und bricht dann wieder zusammen.
Sechs der neun in Europa vorkommenden Gespinstmottenarten haben sich auf eine Baum- oder Strauchart spezialisiert: eine Art befällt Traubenkirsche, eine andere Weiden, die nächste hat sich an Obstbäume angepasst. Das Pfaffenhütchen hat sogar gleich drei Mottenarten als ungebetene Gäste.