Fachtagung am 11. Oktober 2017 in Donaustauf
Kinderernährung in Bewegung - ein Blick über den Tellerrand

Kind hält Mann in Küche hölzernen Kochlöffel in den Mund

© firstflight - fotolia.com

Die Tagung des Fachzentrums für Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung Niederbayern/Oberpfalz am Mittwoch, 11. Oktober 2017, in Donaustauf geht unter dem Motto "Kinderernährung in Bewegung – ein Blick über den Tellerrand" auf Fragen der eigenen Ernährungsbiografie sowie speziell auf die Rolle der Väter für die Ernährungserziehung ein.

Die Erzieherinnen und Erzieher, Fach- und Führungskräfte in Betreuungseinrichtungen sind genauso wie junge Eltern selbst oftmals mit Ernährungsfragen konfrontiert. Junge Eltern und Familien fragen sich nicht selten: Was ist das Beste für unser Kind? Ernährungsempfehlungen sind unbestritten wichtig. Entscheidend ist jedoch, was sich davon umsetzen lässt. Die Fachtagung gibt Anregungen und ist ein Forum zum Erfahrungsaustausch.
Veranstaltungsort
Forsters Posthotel, Maxstraße 43, 93093 Donaustauf

Programm

ab 08:45 Uhr - Eintreffen der Tagungsgäste
mit Begrüßungsimbiss
09:15 Uhr - Eröffnung und Grußworte
Johannes Hebauer, Behördenleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regensburg
Vertreter Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
09:30 Uhr - Aktuelles aus den Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung
Maria Treiber-Banse/Dorothee Trauzettel
Leiterinnen der Fachzentren
09:50 Uhr - "Ach, das liegt bei uns in der Familie ..." - die biographische Dimension der Ernährung
Dr. Ute Zocher
10:50 Uhr - Pause - Gemeinsam in Bewegung
Dr. Robert Jaeschke
10:55 Uhr - Vom Ernährer zum Erzieher zur Bindungsperson - Rolle der Väter für ihre Kinder und Familie
Dipl. Psych. Dr. phil. Johannes Huber
11:55 Uhr - Mittagspause
12:45 Uhr - Foren - 1. Durchgang
13:45 Uhr - Forenwechsel
13:55 Uhr - Foren - 2. Durchgang
14:55 Uhr - Kaffeepause
15:15 Uhr - Foren - 3. Durchgang
16:15 Uhr - Ende der Veranstaltung
Moderation:
Bettina Müller, Projektmanagerin Ernährungsbildung

Foren

Sie können an allen Foren teilnehmen, da sie zeitlich hintereinander stattfinden.
Forum 1: Parmesan und Kapern schon mit einem Jahr?
Im Forum werden biographische Übungen zum Thema Essen und Ernähren erprobt und anschließend gemeinsam diskutiert: Wie erlebe ich selbst Biographiearbeit? Wie ändert dieser Blick meine Perspektive auf die Arbeit mit jungen Eltern? Was hat mich überrascht?
Dr. Ute Zocher
Forum 2: Väter motivieren!? - Ideen und Methoden zur Einbeziehung von Vätern in die Familienbildung
Wie bzw. mit welchen Maßnahmen kann vätersensible Familienbildung gelingen? Welche Hürden gilt es dabei zu meistern? Das Forum beschäftigt sich mit ganz praktischen Fragen und dem bestmöglichen Weg zur Einbindung und Aktivierung von Vätern über die Grenzen des traditionellen Rollenbildes hinaus.
Dipl. Psych. Dr. phil. Johannes Huber
Forum 3: Gemeinsam für ein bewegtes (Kinder-)Leben!
Wie können Familien zu einem bewegten Lebensstil motiviert und unterstützt werden? Wie gelingt es, Kinder langfristig für Bewegung, aktives Spielen und Sport zu begeistern?
Dr. Robert Jaeschke
Anmeldung
Die Anmeldung ist bis zum 25. September 2017 online möglich. Der Tagungsbeitrag beträgt 30 Euro.
Alternativ können Sie das Anmelde-PDF nutzen.

Anmeldung Fachtagung 2017 pdf 29 KB

Ansprechpartnerinnen

Maria Treiber-Banse
AELF Regensburg
Lechstraße 50
93057 Regensburg
Telefon: +49 941 2083-175
Fax: 0941 2083-200
E-Mail: poststelle@aelf-re.bayern.de
Sabine Schichler
AELF Landshut
Klötzlmüllerstraße 3
84034 Landshut
Telefon: +49 871 603-139
Fax: 0871 603-118
E-Mail: poststelle@aelf-la.bayern.de

Rückblick

Fachtagung 2016

Kinderernährung in Bewegung - Herausforderungen und Chancen

Die Fachtagung fand am 12. Oktober 2016 in Bad Abbach unter dem Thema "Kinderernährung in Bewegung – Herausforderungen und Chancen" statt. Das Motto beschreibt die Situation in den Familien und in Kinderbetreuungseinrichtungen: Junge Eltern, Verantwortliche in Kitas und nicht zuletzt die Ernährungsfachkräfte sind oft mit widersprüchlichen Empfehlungen zur Ernährung konfrontiert. In vielen Regionen Bayerns kommt hinzu, dass Familien aus anderen Kulturen bei uns eine neue Heimat suchen. Wir erleben in der Kita wie auch in anderen Lebensbereichen ein sich schnell veränderndes Umfeld. Damit ergeben sich neue Fragen, aber auch neue Wege für den alltäglichen Umgang mit Ernährung und Bewegung im Kindesalter.
Kindergesundheit im Fokus: Mythen, Wirklichkeit und Motivation
Es gibt viele Fragen, Vorurteile und Mythen rund um das Thema Kinderernährung und Bewegung. Die Referentin Vanessa De Bock griff drei Mythen im Bereich Kinderernährung und -bewegung auf:
  1. Bayerns Kinder werden immer dicker,
  2. Bayerns Kinder bewegen sich viel weniger als früher und
  3. dicke Kinder – dicke Erwachsene
Frau am MikrofonZoombild vorhanden

Referentin Vanessa De Bock

Zu Mythos 1 - Bayerns Kinder werden immer dicker
Laut der KiGGS-Studie zufolge gelten etwa 6 % der 3- bis 17jährigen in Deutschland als adipös. Dabei stieg die Rate der adipösen Kinder in allen Altersstufen an (Kindergesundheitsbericht Bayern, 2015).
Die Untersuchung aus dem Jahr 2010/2011 des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ermittelte einen starken Anstieg von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen im Einschulungsalter in den 1980er und 1990er Jahren, bis hin zum Jahr 2011 aber eine Stagnation beziehungsweise sogar einen leichten Rückgang. Allerdings erhöhte sich in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen in dem angesprochenen Zeitraum der Anteil der Übergewichtigen um 50 Prozent. Auch wurde ein deutliches Nordost-Südwest-Gefälle sichtbar, das sozioökonomische Ursachen hat.
Zu Mythos 2 - Bayerns Kinder bewegen sich viel weniger als früher
Laut dem deutschen Kinder- und Jugendsportbericht von 2015 treiben 77,5 % der Kinder und Jugendlichen Sport, wobei die Antworten auf geringe sportliche Intensität hindeuteten. Allerdings wird die WHO-Empfehlung für diese Altersgruppe, einmal pro Tag mindestens 60 Minuten körperlich aktiv zu sein, nur bei 27,5 % eingehalten.
Alarmierend ist der Fitnesszustand von Kindern und Jugendlichen, denn zur Jahrtausendwende blieben mehr als die Hälfte der Grundschüler in ihrer Koordinationsfähigkeit unter der Norm.
Auch hier fällt ein sozialer Gradient zuungunsten der Kinder und Jugendlichen mit niedrigem sozioökonomischen Status auf.
Zu Mythos 3 - dicke Kinder – dicke Erwachsene
Die kritische Lebensphase zur Entwicklung von Übergewicht liegt bei jungen Kindern im Einschulungsalter.
Stellt man im Vorschulalter Übergewicht fest, bildet es sich in mehr als der Hälfte der Fälle zurück. Anders im Grundschulalter, hier manifestiert sich Übergewicht in mehr als 50 Prozent der Fälle.
Das heißt, bei Schulbeginn sollten gezielt Maßnahmen zur Reduzierung des Übergewichts ergriffen werden.
Sollte sich beim Verhalten der Kinder und Jugendlichen etwas ändern, muss das auch vom Einzelnen gewollt sein und zu einem aktuellen Thema werden. Die Verhaltensänderung muss über einen längeren Zeitraum erfolgen und vom sozialen Umfeld auch unterstützt werden.
Um Verhaltensmodifikationen bei Kindern zu erreichen, sollte man beachten, dass „Spaß“ für Kinder und Jugendliche eine zentrale Bedeutung hat. „Gesund“ wird eher mit „langweilig“ oder „schmeckt nicht“ assoziiert.

Risikofaktor Migrationshintergrund: Einfluss auf Kinderernährung und -bewegung

Referentin

Referentin Dr. Ayse Cicek

In Deutschland hat gemäß dem Mikrozensus jedes dritte Kind einen Migrationshintergrund. Viele Familien sind gut in der Gesellschaft integriert. Aber es gibt immer noch Kinder, deren Eltern über die medizinische Versorgung in Deutschland nicht ausreichend aufgeklärt sind. Sie leiden unter Versorgungsmangel, der mit wenig Aufwand behoben werden könnte.
Langzeitstudien des Robert Koch-Instituts zur gesundheitlichen Lage der Kinder und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) weisen nach, dass Kinder mit Migrationshintergrund häufiger übergewichtig sind. Das festigt die These, dass migrationsbedingte und kulturspezifische Faktoren Krankheitsrisiken verstärken oder auch kompensieren. Schuleingangsuntersuchungen in Berlin zeigen, dass Kinder mit deutscher Staatsangehörigkeit zu ca. 11 %, mit türkischer zu ca. 23 % und anderer Nationalität zu ca. 15 % adipös sind.
Gesundheitliche Gefährdungen für Kinder mit Migrationshintergrund zeigen sich signifikant häufiger in den Bereichen Infektionskrankheiten, Übergewicht/Adipositas, Ernährungs- und Mundgesundheitsverhalten, bei gleichzeitig geringerer Inanspruchnahme von Impfungen und Früherkennungsuntersuchungen. Insbesondere zählen Kinder aus der Türkei und den arabisch-islamischen Ländern mit Abstand am häufigsten zu den sozial schwächeren Schichten und zeigen den geringsten Grad an sozialer Einbindung. Ein niedriger soziökonomischer Status korreliert hier mit einem erhöhten Krankheitsrisiko.
Die Ergebnisse der KiGGS-Studie deuten auf die Erhaltung der gesundheitsfördernden (kulturellen) und migrationsspezifischen Ressourcen hin. Beispielsweise verändern eine längere Aufenthaltsdauer bzw. die Zugehörigkeit zur zweiten oder dritten Einwanderergeneration den Lebensstil. Ihn prägen zunehmend ungünstigere und vor allem ungesündere Verhaltensmuster. Daher gelte es, gesundheitsfördernde und sozialpolitisch darauf einzuwirken, die die gesundheitlichen Lage der Bevölkerung mit Migrationshintergrund zu verbessern. Ein Ansatz ist, Aktivitäten im Bereichen Gesundheitserziehung, -vorsorge und Wissensvermittlung zu initiieren und intensivieren.

Gesundheitsförderung im Dialog – Anregungen für junge Familien mit Migrationshintergrund

Zwei Frauen beim VortragenZoombild vorhanden

Paola Tullia Garofalo und Elizabeth Dommes

Oftmals verstehen Migrantenfamilien das deutsche Gesundheitssystem mit all seinen Vorsorgeangeboten nicht, weil es entsprechende Modelle in ihrem Heimatland nicht gibt. Das landesweite, unter anderem vom Staatsministerium für Gesundheit und Pflege geförderte Projekt "Mit Migranten für Migranten – interkulturelle Gesundheit in Bayern (MiMi-Bayern)" setzt bayernweit an zehn Standorten erfolgreich die Aufklärung durch Mediatorinnen mit Migrationshintergrund um.
Im Forum berichteten Paola Garofalo und Elizabeth Dommes von Beispielen aus ihrer Praxis, um MigrantInnen zu erreichen. Im Dialog mit den Forumsteilnehmern wurden unterschiedliche Vorstellungen etwa zu einem gesunden Frühstück erarbeitet und erörtert, welche Ernährungs- oder Bewegungsempfehlungen vielleicht befremdlich wirken.

Bewegungsspiele für Kinder

Referentin turnt vorZoombild vorhanden

Referentin Ines Eisenbarth

Bewegung ist eine universelle Sprache, braucht keine vielen Worte. Sie kann somit oft ein erster Schritt sein, um leichter aufeinander zuzugehen, sich kennenzulernen und miteinander zu spielen, Spaß zu haben, zu lachen oder zu tanzen. Traditionelle Kinderspiele, Klatsch- und Tanzrhythmen existieren in jedem Kulturkreis; dies kann helfen, wenn es darum geht, zunächst einmal Kontakt herzustellen, sich neuen und fremden Kulturen zu öffnen. Einfach zu zeigen: "Ich interessiere mich für Dich, zeig mir, wie Du das von zu Hause kennst." Bewegung ermöglicht einen guten Zugang zum Kind und das oft ohne direkte Ansprache, ohne Aufforderung, einfach nur durch das gemeinsame "Tun". Spiel und Bewegung gehören zu den Aktivitäten, die Kinder von sich aus wählen. Man muss sie in der Regel nicht dazu auffordern.
Gerade bei Familien und Kindern mit Fluchterfahrung und Migrationshintergrund ist es wichtig, in Kitas, Krippen, in Vereinen und Sportgruppen Sicherheit, Geborgenheit und Lebensfreude zu vermitteln.
Beispiele
Ines Eisenbarth zeigte den Teilnehmern in ihren Foren einfache Kinderspiele, die zum Mitmachen anregen.
Im Haushalt
Alle Kinder stellen sich im Kreis auf. Das Spiel funktioniert auch als Laufspiel. Dabei laufen die Kinder durcheinander und finden sich dann als 3er Gruppen zusammenfinden. Nun gibt der Spielleiter verschiedene Haushaltsgegenstände vor, die immer von 3 Kindern gleichzeitig pantomimisch dargestellt werden können.
Beispiele: „Rührgerät“, „Waschmaschine“, „Toaster“, „Radio“, „Fernseher“.
Wer tut das gleiche wie ich? – Bewegtes Memory-Spiel
Alle Kinder bekommen verdeckt eine Karte, auf der eine Bewegung (Alternativen: Berufe, Tiere) aufgezeichnet ist. Alle Karten existieren 2x/3x/4x je nach Gruppen-größe. Nun gehen alle Kinder durcheinander und spielen dabei ihre Bewegung pantomimisch vor. Alle gleichen Bewegungen/Paare müssen sich nun zusammenfinden. Dann beginnt eine neue Runde, in der die Kinder durcheinanderlaufen und zunächst ihre Karten verdeckt mit einem beliebigen anderen Kind tauschen.
Referentin mit Kinderlebensmitteln

Referentin Sonja Osiander

Kindermilch & Quetschbeutel
Viele "Kinderlebensmittel" versprechen Snack-Spaß oder suggerieren Eltern einen gesundheitlichen Mehrwert. "Kindermilch" und "Quetschbeutel" gehören zur heutigen Lebenswelt. Allerdings sind diese Produkte bezüglich Zuckergehalt und Nährstoffanreicherung kritisch zu betrachten.
Dipl.oec.troph. Sonja Osiander stellte die Produktkategorien vor: Säuglingsanfangsnahrung, Beikost, Produkte für Kleinkinder und Spezialnahrung. Bei den "Quetschbeuteln" formulierte Sonja Osiander als Hauptkritikpunkte Saugverhalten, Zahnpflege und Darreichungsform. Letztere begünstigt hohe Energie- und Fruchtzuckerzufuhr in kurzer Zeit. Auch Kindermilch ist beliebt, sie birgt allerdings das Risiko einer Nährstoffüberversorgung.
Den TeilnehmerInnen riet die Referentin, die Familien zum zeitgemäßen Übergang an den Familientisch zu ermutigen und damit zur positiven Entwicklung von Essverhalten und Geschmack beizutragen.